Es passiert auf dem Parkplatz am Baggersee, beim Zurückbringen des Einkaufswagens oder irgendwo auf dem Weg durch die Stadt: Der Autoschlüssel ist weg. Anders als beim Haustürschlüssel schwingt hier sofort eine unangenehme Ahnung mit, denn moderne Autoschlüssel sind kleine Computer, und deren Ersatz hat seinen Preis. Wie teuer es wirklich wird, hängt allerdings stark davon ab, was für ein Fahrzeug vor der Tür steht und was für ein Schlüssel eigentlich fehlt.
Der erste Schritt kostet noch gar nichts. Jedes Auto wird ab Werk mit mindestens zwei Schlüsseln ausgeliefert, und der Zweitschlüssel liegt bei den meisten Menschen zu Hause in einer Schublade. Wer ihn holt oder bringen lässt, ist erst einmal wieder mobil und kann den Ersatz in Ruhe organisieren. Kritisch wird es für alle, die schon länger mit einem einzigen Schlüssel fahren, etwa weil der zweite beim Gebrauchtwagenkauf nie übergeben wurde. Dann steht das Auto so lange, bis Ersatz beschafft ist.
Für die Beschaffung gibt es drei Wege. Die Vertragswerkstatt kann alles, verlangt dafür aber Geduld und Geld. Freie Werkstätten und spezialisierte Schlüsseldienste fertigen und codieren Funkschlüssel für viele Modelle günstiger. Und für rein mechanische Schlüssel führt der dritte Weg über das Internet: Wer für einen Oldtimer, ein älteres Fahrzeug oder einen Zweitwagen mit einfachem Zackenschlüssel einen Autoschlüssel nachmachen lassen will, braucht dafür nur die Schlüsselnummer oder ein Foto und zahlt einen Bruchteil des Werkstattpreises. Derselbe Weg funktioniert für die Schlüssel, an die beim Stichwort Auto kaum jemand denkt: abschließbare Anhängerkupplung, Dachbox, Fahrradträger, Tankdeckel. Für diese Zubehörschlösser fühlt sich keine Vertragswerkstatt zuständig, dabei liegt deren Schlüsselnummer meist noch in irgendeiner Bedienungsanleitung.
Warum der Ersatz beim modernen Auto so aufwendig ist, erklärt ein Blick in den Schlüssel selbst. Seit Mitte der Neunzigerjahre gehört die elektronische Wegfahrsperre zur Serienausstattung, seitdem steckt in jedem Schlüsselkopf ein Transponderchip, der sich beim Startversuch mit dem Steuergerät austauscht. Dazu kommen Funkfernbedienung und bei neueren Modellen Keyless-Systeme. Ein Ersatzschlüssel muss deshalb mechanisch gefräst, elektronisch codiert und am Fahrzeug angelernt werden. Beim Vertragshändler kostet das je nach Marke und Modell zwischen 150 und 400 Euro, bei Keyless-Schlüsseln auch deutlich mehr, und weil der Rohling oft beim Hersteller bestellt wird, vergehen gerne ein bis zwei Wochen. Fahrzeugschein und Personalausweis werden dabei verlangt, aus gutem Grund: Niemand soll sich für ein fremdes Auto einen Schlüssel bestellen können.
Aus dieser Rechnung folgt eine simple Erkenntnis: Der günstigste Zeitpunkt für einen Ersatzschlüssel ist, solange noch beide da sind. Ein nachbestellter Zweitschlüssel zum vorhandenen kostet spürbar weniger als die Komplettbeschaffung nach einem Totalverlust, bei dem manche Hersteller aus Sicherheitsgründen gleich das Umcodieren der Wegfahrsperre oder neue Schließzylinder empfehlen. Wer beim Gebrauchtwagenkauf nur einen Schlüssel bekommt, sollte den fehlenden Zweitschlüssel also nicht als Schönheitsfehler abtun, sondern beim Preis mitverhandeln.
Ganz anders sieht die Lage bei älteren Fahrzeugen aus. Ein Käfer, ein alter Benz, ein Traktor oder ein Wohnwagen aus den Achtzigern hat weder Transponder noch Funk, sondern einen schlichten mechanischen Schlüssel. Dessen Nummer ist oft am Zünd- oder Türschloss eingeschlagen oder steht in den alten Fahrzeugunterlagen. Mit dieser Nummer lässt sich der Ersatz für kleines Geld nachfertigen, ganz ohne Werkstatttermin. Für Oldtimerbesitzer ist das doppelt interessant, weil Vertragshändler für Fahrzeuge, die dreißig Jahre und älter sind, oft gar keine Schlüsseldaten mehr im System haben. Die alte Schlüsselnummer ist dann der einzige und zugleich der einfachste Weg.
Bevor Panik aufkommt, lohnt übrigens ein kurzer Gegencheck: Nicht jeder vermeintlich verlorene Schlüssel ist wirklich weg, und nicht jeder tote Schlüssel ist verloren. Reagiert das Auto nicht mehr auf die Fernbedienung, ist in den meisten Fällen schlicht die Knopfzelle im Schlüssel leer. Der Wagen lässt sich dann mit dem mechanischen Notschlüssel öffnen, der in fast jeder Fernbedienung steckt, und startet je nach Modell, wenn der Schlüssel an eine markierte Stelle gehalten wird. Die Batterie kostet zwei Euro an der Supermarktkasse. Es wäre nicht das erste Mal, dass für dieses Problem ein kompletter Ersatzschlüssel bestellt wurde.
Wer einen Dienstwagen fährt oder im Urlaub mit dem Mietwagen unterwegs ist, sollte den Schlüssel noch einmal aufmerksamer behandeln als den eigenen. Bei Mietwagen ist der Schlüsselverlust in vielen Verträgen von der Haftungsreduzierung ausgenommen, die Vermieter stellen dann den vollen Wiederbeschaffungspreis in Rechnung, teils mehrere hundert Euro plus Überführungskosten. Beim Firmenwagen regelt die Car Policy, wer zahlt. In beiden Fällen gilt: sofort melden statt aussitzen, denn je nach Fahrzeug muss der verlorene Schlüssel aus dem System ausgetragen werden.
Ein Sonderfall bleibt der gestohlene Schlüssel. Wer nicht sicher ist, ob der Schlüssel verloren oder entwendet wurde, und wem womöglich zusammen mit dem Schlüssel auch Papiere mit der eigenen Adresse abhandengekommen sind, sollte das Auto umstellen, den Diebstahl anzeigen und mit der Versicherung klären, ob umcodiert werden muss. Das ist der teuerste aller Fälle, aber auch der seltenste.
Noch ein Detail, das oft falsch gemacht wird: die Beschriftung. Am Autoschlüsselbund hat weder das Kennzeichen noch die Adresse etwas verloren. Ein gefundener Schlüssel mit Kennzeichen-Anhänger führt einen unehrlichen Finder direkt zum passenden Fahrzeug, und dann ist aus dem Verlust ein Diebstahlrisiko geworden. Ein neutraler Anhänger oder gar keiner ist die bessere Wahl.
Vorbeugen ist beim Autoschlüssel einfacher als bei jedem Haustürschlüssel, weil das zweite Exemplar ja schon existiert. Es muss nur auffindbar bleiben: an einem festen Platz zu Hause, nicht im Handschuhfach des Autos, das er im Notfall aufschließen soll. Ein Bluetooth-Tracker am Hauptschlüssel kostet wenig und findet den Bund unter der Liege am Baggersee, bevor die Heimfahrt zum Problem wird. Und die Schlüsselnummern von Anhängerkupplung, Dachbox und Tankdeckel wandern am besten gleich nach dem Kauf als Foto ins Handy.
Bleibt die Merkregel für den Ernstfall: erst den Zweitschlüssel holen, dann Preise vergleichen. Beim modernen Funkschlüssel entscheidet der Vergleich zwischen Vertragswerkstatt und freiem Anbieter schnell über hundert Euro und mehr. Beim mechanischen Schlüssel, ob am Oldtimer oder an der Dachbox, ist die Schlüsselnummer der kürzeste Weg, und der teuerste Fehler wäre, ein funktionierendes Schloss aufzubohren, dessen Ersatzschlüssel für ein paar Euro zu haben gewesen wäre.
